Reiten – so wurde es zum Sport

Schon immer faszinierten die anmutigen Pferde die Menschen. Wissenschaftlich gesehen ist es jedoch umstritten, seit wann die Menschen die Pferde zur Fortbewegung zu benutzen. Aus dem Jahr 2800 v. Chr. gibt es eine Rittzeichnung aus dem Orient. Wirklich bedeutend wurde das Reiten um 800 v. Chr. Zu dieser Zeit begannen europäisch-asiatischen Völker das Pferd im Krieg einzusetzen.

Beginn der Ausbildung

Erst in der griechischen Antike entwickelte sich die Idee, die Pferde gezielt auszubilden. Xenophon schrieb ca. 370 v. Chr. die erste Reitvorschrift, deren ethische Leitlinien bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben. Bei den 71. Olympischen Spielen im Jahre 496 v. Chr. war erstmals auch eine Reitsportdisziplin vertreten: ein Wettrennen auf Stuten.
Bei den Germanen (100 v. Chr. bis 500 n. Chr.) war das Pferd ein heiliges Wesen, das hauptsächlich zur Fortbewegung diente. Eine klassische Reitkunst gab es nicht. Im frühen Mittelalter gab es erstmals Ritter und während der Blütezeit des Rittertums entwickelte sich die Form des Kampfes, die man heute als Ritterturnier bezeichnet: zwei Reiter galoppieren aufeinander zu und versuchen sich, mit Hilfe von Lanzen, gegenseitig vom Pferd zu stoßen.

Wandel der Reitkunst

Im 18. Jahrhundert kam es zu einem grundlegenden Wandel im Umgang mit dem Pferd. Die bisher rauen Methoden wurden durch einen sanfteren Umgang abgelöst. 1733 erschien die Reitlehre von François Robichon de la Guérinière, die bis heute als Grundlage für das Dressurreiten zählt.

Entwicklung des Turniersports

Während bis zum Ende des zweiten Weltkrieges hauptsächlich Reiter aus dem Militär bei Turnieren vertreten waren, ist der Reitsport heute ein beliebter Freizeitsport. Neben den klassischen Turnierdisziplinen gibt es mittlerweile auch Wettbewerbe im Westernreiten, im Fahrsport, im Distanzreiten und beim Voltigieren. Besonders das Westernreiten ist bei den Freizeitreitern beliebt, viele Reiter bevorzugen schon aus Bequemlichkeitsgründen einen klassischen Westernsattel. Erfreulich ist die immer größere Nachfrage nach einem Reithelm für den Kopf. Immer mehr Reiter stellen die Sicherheit über ein eventuell schlechteres Aussehen und Reitgefühl.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Weiterentwicklung des Reitens in Richtung des modernen Reitsports. Impulse dafür kamen aus England und Irland, wo Fuchsjagden und Pferderennen immer beliebter wurden. Zeitgleich gab es bei der „Royal Dublin Society“ zum ersten Mal die Disziplinen Springen, Dressur und Military.

In Deutschland fand 1895 der erste Wettkampf – organisiert von der Bayerischen Campagne-Reiter-Gesellschaft – statt. Zwei Jahre später wurde der „Deutsche Sportverein“ gegründet, der auch den Reitsport voran brachte. Der heutige Turniersport entstand, als Reiten zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen der Moderne, 1912, mit den Disziplinen Dressur, Jagdspringen und Military vertreten war.